Wie ist das Projekt entstanden?
Jede medizinische Behandlung will die Gesundheit des Patienten herstellen, verbessern oder erhalten. Doch nicht jede Maßnahme führt zu dem gewünschten Ergebnis. Patienten, die durch einen oder mehrere Fehler der sie behandelnden Person zu Schaden kommen, erleiden Behandlungsschäden. Patientensicherheit setzt genau hier an, sie soll die größtmögliche Verringerung derartiger Behandlungsschäden gewährleisten. Bei den Behandlungsschäden bietet sich für ein besseres Verständnis an, die Fehler näher zu definieren. Unterteilt werden die Behandlungsschäden in:
- Fehler (medical error/error): Fehlschlag einer geplanten Handlung oder Gebrauch eines falschen Plans. Nicht alle Behandlungsschäden sind die Folge von Fehlern.
- Vermeidbares unerwünschtes Ereignis/Schaden (preventabel adverse event): Ein Schaden, der auf einen Fehler basiert und vermeidbar gewesen wäre.
- Behandlungsschaden (negligent adverse event): Schaden, der auch auf einem Fehler basiert und der auf Grund mangelnder Sorgfalt eintritt.
- Beinaheschaden (near miss/potential adverse event): Ereignisse, bei denen ein Schaden trotz eines Fehlers ausgeblieben ist.
Im Jahre 2007 wurden in Deutschland laut „Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“ folgende Behandlungsschäden gemeldet:
- 5%-10% unerwünschte Ereignisse
- 2%-4% Behandlungsschäden
- 1% Behandlungsfehler
- 0,1% Todesfälle in Folge von Behandlungsfehlern
Die Zahlen zeigen, wie wichtig die Patientensicherheit im Gebiet der Versorgungsforschung ist. Bei einer Gesamtzahl von 17 Millionen Behandlungsfällen pro Jahr kommt es in Deutschland jedes Jahr bei 17.000 Fällen zu Todesfällen durch Behandlungsfehler.
Grenzüberschreitende Patientensicherheit, Status Quo
In der Vergangenheit konnte die Patientensicherheit nicht immer für das jeweilige Nachbarland zufriedenstellend gewährleistet werden. Kommunikationsstrukturen und klare Organisationsvorgaben fehlen. So kam es z.B. am 18.04.2008 bei Behandlung einer deutschen Touristin in Dänemark zu einem Sicherheitszwischenfall. Die Touristin verstarb vor einem dänischen Krankenhaus, weil sie mehr als eine Stunde keine medizinische Nothilfe bekommen hatte. Die Bitte ihres Mannes um sofortige medizinische Hilfe war laut dänischer Patientenvereinigung 75 Minuten lang ungehört geblieben. Mit dem Projekt werden die Erfahrungen beider Länder bei der Umsetzung der Patientensicherheit erörtert.
Ziel wird es sein, stufenweise ein dänisch/deutsches Meldesystem zu errichten und eine KnowlegeBase im Rahmen der Patientensicherheit aufzubauen, um die Öffentlichkeit in der Region über interessante Ergebnisse zu informieren. Der Aufbau soll zunächst regional auf die Grenzregion begrenzt sein und später ausgerollt werden. Patientensicherheit betrifft die Versorgung des Patienten unmittelbar. Deshalb muss Patientensicherheit zu den Kernthemen in der grenzüberschreitenden Versorgungsforschung gehören. Für den Erfolg des Projektvorhabens wird ausschlaggebend sein, wie die Vorzüge des interdisziplinären und systemischen Ansatzes in die Praxis transportiert werden. Hierfür sind in dieses Projekt wichtige handelnde Player der Leistungserbringung in das Projekt integriert worden.


